Gut zu wissen
So funktioniert es
Was ist die Mission des AquaGuards?
Der AquaGuard unterstützt Badegäste sowie WassersportlerInnen dabei, die Wahrscheinlichkeit von verunreinigtem Badewasser besser einzuschätzen. So können sie eigenverantwortlich entscheiden, wann sie ins Wasser gehen.
Wie erfüllt der AquaGuard seine Mission?
Der AquaGuard überwacht laufend, ob aus Entlastungsbauwerken zwischen Luzern und Bremgarten Mischabwasser in den Fluss gelangt, und misst den Abfluss der Reuss. Daraus berechnet er, ob und wann durch Entlastung belastetes Wasser die Flusswelle Bremgarten erreicht.
Die Anzeige wird immer von einer Informationskampagne begleitet, die Badegäste sowie WassersportlerInnen für das Thema Wasserqualität sensibilisiert und ihnen hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen.
Was sind die Limitationen des AquaGuards?
Der AquaGuard berücksichtigt nur Entlastungen von Mischabwasser. Andere Quellen (Landwirtschaft, Wildtiere, gereinigtes Abwasser aus Kläranlagen etc.) werden nicht berücksichtigt. Es findet zudem keine Echtzeitmessung von Krankheitserregern in der Reuss statt. Noch sind nicht alle Entlastungsbauwerke mit Messtechnik ausgerüstet; mit jedem weiteren wird die Einschätzung besser.
Hintergrund
Was sind Mischabwasserentlastungen?
Eine Mischabwasserentlastung ist der Überlauf von verdünntem Abwasser (Schmutz- plus Regenwasser) direkt in ein Gewässer, wenn die Kanalisation bei starkem Regen überlastet ist.
Warum gibt es Mischabwasserentlastungen?
Viele Siedlungsgebiete in der Schweiz entwässern im Mischsystem: Abwasser aus Haushalten, Gewerbe und Industrie fliesst zusammen mit Regenwasser von Dächern, Strassen und Plätzen in derselben Kanalisation zur Kläranlage.
Bei trockenem Wetter sind die Abwassermengen klein und gut planbar. Wenn es regnet, treten jedoch häufig schlagartig grössere Wassermengen von befestigten Flächen auf. Kanalisationen und Kläranlagen können aber nicht ausreichend gross für jeden Regen oder jedes Gewitter gebaut werden.
Grössere Mengen Mischabwasser werden möglichst in Speicherbecken zurückgehalten. Wenn die Kapazität dieser Becken überschritten wird, gelangt verdünntes Mischabwasser über Entlastungsbauwerke in die Gewässer.
Wie helfen Schwammstadtmassnahmen?
Würde man das gesamte System für Extremregen auslegen, müsste die Abwasserinfrastruktur massiv grösser gebaut werden. Das wäre sehr teuer und platzintensiv und würde trotzdem nur selten gebraucht.
Deshalb setzt die moderne Siedlungsentwässerung auf sogenannte Schwammstadtmassnahmen, die Regenwasser vor Ort zurückhalten, versickern und verdunsten lassen, zum Beispiel begrünte Dächer, entsiegelte Flächen und Versickerungsmulden.
Wie kommen Erreger in die Reuss?
Wichtige Eintragsquellen sind:
- Abschwemmungen aus der Landwirtschaft und von Oberflächen nach Regen
- Mischabwasserentlastungen bei starkem Regen
- gereinigtes, aber nicht steriles Abwasser aus Kläranlagen
- Keime aus der Natur (z. B. Wildtiere, Vogelpopulationen etc.)
Wie wird die Wasserqualität beurteilt?
Zur Beurteilung der hygienischen Wasserqualität werden häufig E. coli und Enterokokken gemessen. Diese Fäkalbakterien dienen als Indikatororganismen und zeigen an, dass fäkale Verunreinigungen vorhanden sein können. Wo solche Bakterien vorkommen, können auch antibiotikaresistente Bakterien und Krankheitserreger wie Viren auftreten, die zum Beispiel Durchfall, Magenbeschwerden, Haut-, Augen- oder Ohrinfektionen verursachen.
Was sind antibiotikaresistente Bakterien?
Antibiotikaresistente Bakterien sind unempfindlich gegenüber Antibiotika, was Infektionen schwerer behandelbar macht. Resistent sind die Bakterien, nicht der Mensch. Resistente Bakterien kommen als Fäkalkeime und Host-assoziierte Keime bei Mensch und Tier sowie in der Umwelt vor. Zusätzlich können sie auch opportunistische oder generelle Krankheitserreger bei Mensch und Tier sein.
Was leisten Kläranlagen?
Kläranlagen und ihr Personal schützen täglich Gewässer und Gesundheit. In der Schweiz sind rund 98 % der Bevölkerung an zentrale Abwasserreinigungsanlagen (ARA) angeschlossen. Die Abwasserinfrastruktur ist flächendeckend ausgebaut und funktioniert zuverlässig.
Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigt ein Blick zurück: In den 1960er-Jahren war die Wasserqualität vieler Schweizer Flüsse und Seen noch deutlich schlechter. Abwasser wurde weniger gut gereinigt, Nährstoffe und organische Belastungen gelangten häufiger direkt in die Gewässer. Schwimmen in Seen und Flüssen, heute eine Selbstverständlichkeit, war vielerorts hygienisch riskant und verboten. Gewässerschutzmassnahmen haben den hygienischen Zustand der Schweizer Flüsse und Seen seit den 1980er-Jahren deutlich verbessert. In einigen Regionen war der Wunsch nach besserer Badegewässerqualität sogar ein wichtiger Grund für den Bau und die Aufwertung von ARA.
Was ich tun kann
Wie kann ich mich schützen?
Der Kanton Aargau empfiehlt, während zwei bis drei Tagen nach starken Niederschlägen nicht in der Reuss zu baden oder zu surfen. Weitere Empfehlungen:
- Nach Regen nicht direkt unterhalb von ARA- oder Entlastungs-Einleitstellen baden
- Bei trübem Wasser, starkem Geruch, Schaum oder Schwemmstoffen vorsichtig sein
- Kein Flusswasser schlucken, nach dem Baden duschen
- Offene Wunden abdecken oder auf Wasserkontakt verzichten
Auch bei klarem Wasser gilt Achtsamkeit: Keime sind unsichtbar, und nach Regen sind die grösste Gefahr Strömung und Treibgut (z. B. Äste).